Marokko 2008 Teil 2

Fortsetzung

Leider bin ich gezwungen, mangels webspace den Reisebericht hier fortzusetzen, deswegen hier ein Link, der zurück auf meine website führt:

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30.3. Sonntag, Tinerhir - Ait Ouazzag

Heute fahren wir die Dosenstrecke von Tinerir zu Thomas nach Ait Ouazzag. In Ait Youssef haben wir Familie Oumoula besucht. Rabha, die Mutter machte gesundheitlich einen viel besseren Eindruck als vor 5 Jahren, als wir einen Fahrtag geopfert haben und mit ihr zum Arzt nach Rich gefahren sind.
Thomas Plantage wächst und gedeiht, er sagt, seit der letzten Ernte kann er nun zum ersten Mal davon leben.
Bei Thomas ist richtig was los, zwei TOYOTA Leute aus Hannover und Sahara Sepp aus HH, später noch ein Holländer aus Bonn haben sich dort eingefunden.
(Thomas Friedrich: http://www.emarokko.net/thomas)
Fast schon obligatorisch, die Einladung am Abend bei Nomadens durch Ali (der Verwalter von Thomas Plantage) ins Zelt. Alis Familie ist seit meinem letzten Besuch um zwei Mädchen (Fatma und wir haben sie Nokia genannt und ein einige Wochen altes Baby) und einen Jungen angewachsen. Damit ist die menschliche Hälfte des Nomadenzelts auf 8 Personen angewachsen - in der anderen Hälfte leben die Tiere. Damit hat er 5 weitere Jahre der Versuchung widerstanden ins Haus einzuziehen, wo Thomas beim Bau des Hauses eine Wohnung für die Familie vorgesehen hat.
Es ist wieder mal ein Abend voller Eindrücke aus einer alten, anderen Welt.

 
 
Familie Oumoula, Rhabas Söhne waren oft auf Thoma's Farm, daher kann sie auch etwas deutsch und begrüßt jeden mit "Alles klar"

Zwischen Gourrama und Beni Tajjite

 
 
 
 
 Thomas Olivenplantage
 
 Zu Gast bei Alis Nomadenfamilie
 
 
 Lasser und Nokia (alle sagen das, weil keiner den Nomadennamen aussprechen kann, klingt aber so ähnlich)


 1.4. Montag, Ait Ouazzag

Mit Thomas, Manfred und Barbara (zwei Buschtaxi - Reisende), wandern wir durch die Berge am Rande von Ait Sbaa. Thomas kann uns eine Menge von der Pflanzenwelt erklären, die trotz der Kargheit im Frühling sehr reich ist. Er zeigt uns mehrere Tumulus Gräber, Barbara kennt sich auch bemerkenswert gut mit Marokkos Pflanzenwelt und Geschichte aus.
Anschließend fahren Siggi und ich nach Beni Tajjite einkaufen und kochen danach für alle.

 
 
 
 
 Thomas hat einige Jahre als Pharma Scout gearbeitet und kennt sich bestens mit der Nator aus
 
 Ein Tumulus Grab - das hätte ich niemals bemerkt
 
 Die Kasbah von Ait Sbaa
 
 Das war eine Moschee, zu erkennen an den Gebetsnischen für den Imam
 
Eine Ölmühle gabes auch in der Kasbah und unten der Friedhof, Inschriften auf den Gräbern gibt es nur neuerdings und selten, dagegen kann man an der Stellung der beiden Grabsteine erkennen, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt. Beide Steine quer zur Längsrichtung des Grabes = Mann, Ein Stein quer und einer längs = Frau
 
 
 Eine Fugawe, mit einem Stollensystem wird Wasser unterirdisch aus dem Berghang herausgeleitet. Wassergewinnung ohne Energieverbrauch. Mittelalter ist manchmal gut. Hier sichert es die Existenz eines ganzen Dorfes
 
 
Alle ca. 50 m gibt es solche Löcher und infolgedessen solche Erdhügel. Die Löcher sind unterirdisch mit dem Stollen verbunden. Aus den Löchern wurde der Erdaushub für das Stollensystem nach oben gefördert.
 
 
 




 2.4. Dienstag, Ait Ouazzag

Siggi und ich fahren über Gourama nach Atchana. Ich habe große Schwierigkeiten den Einstieg in die Piste nach Beni Tajjite zu finden, der durch den Straßenneubau durchs Oued Guir verschwunden ist. Ich fahre durchs Oued Guir aufwärts und finde schließlich die Piste. Diese präsentiert sich bekannt ruppig aber landschaftlich schön. Den Dakar Jungs sind wohl die unvermittelt auftauchenden, zig Oueds, die teilweise sehr tief sind, schon öfters gefährlich geworden. Eine Verbindung vom Pistenende zu Thomas Plantage, die Ali mir beschrieben hat, finde ich allerdings nicht, nur Eselspfade, die in alle Richtungen führen. 

Das ist echte Dakar Strecke

 
 
 
 
 




2.4. Mittwoch, Ait Ouazzag

Wir verlassen Thomas Plantage Richtung Beni Tajjite gehen wieder auf die PD Piste, an der Gabelung fahren wir aber links Richtung Col de Belkassem - Boudnib. Der Pass ist nicht nur steinig, sondern richtig felsig. Die Felsplatten haben sich hier, wie oft in der Sahara senkrecht aufgefaltet. Thomas sagt, hier schiebt sich der afrikanische Kontinent unter den europäischen (ich nix Klugscheißer, ich Laie). Egal wie, wir hoppeln jetzt darüber und hinterlassen viel TKC 80 Gummi. Als es geschafft ist, Schock, in Boudnib können wir bei Western Union zwar Geld wechseln aaber eine Tankstelle gibt's hier nicht mehr - dafür aber ein Heer von Abzockern, die uns geschmuggelten algerischen Sprit für 14 Dirham /l verkaufen wollen. Nach kurzer Roadbook Checkung beschließe ich mit unserem vorhandenen Sprit auf die Piste nach Merzouga zu gehen. Diese stellt sich wie in Carlos Reisebericht beschrieben, als steinig heraus, hat aber je mehr wir nach SW vorankommen immer mehr sandige Oueds mit tiefen Spuren. Ich muss oft umdrehen und Siggi´s Kawa aufheben, bzw. Durchfahren. Ich merke, dass Siggi innerlich kapituliert und dass das hier nicht seine körperlich- fahrerischen – aber seine mentalen Grenzen überschreitet. An einem Nomadenzelt machen wir Teepause, die Sonne steht zwar schon tief, aber Siggi ist fertig. Ich beschließe, die Piste nach Merzouga zu canceln und die nach Erfoud zu nehmen, dafür scheint uns die jetzt untergehende Sonne waagrecht mitten ins Gesicht. Mit dem letzten Rest des Dämmerlichts erreichen wir die Nationalstraße nach Erfoud, und fahren noch Straße bis Merzouga. Ich finde auf Anhieb im Dunkeln (dank Waypoint) das "Atlas du Sable" mit dem lebenslustigen Besitzer "El Cojo", der von Geburt an nur ein Bein hat, sich selbst aber damit gerne auf den Arm nimmt, indem er sich auf den Hinweisschildern zu seinem Hotel als Kamel mit einem Holzbein abbildet. Hier steht der Hof schon voller Rallye Enduros und wir haben Glück und kriegen noch ein Zimmer - puuh.
Wir essen noch zu Abend und fallen in die Lehmsockel - Betten. 

 
 
 
 
 

Jetzt wird es Ernst, Piste von Boudnib nach Erfoud

 
 
 

Es wird immer sandiger

 
 
 

Einladung zum Tee, mittendrin

 
 
 





3.4. Donnerstag, Merzouga, der Tag der Entscheidung

Am Morgen, Siggi geistert schon früh rum, eröffnet Siggi mir, dass das hier bei weitem seine Kapazitäten übersteigt und er es nicht mehr machen kann. Wir einigen uns ganz friedlich, uns zu trennen. Er will nach Nador fahren und versucht eine Fähre nach Sete oder Genua zu kriegen (Sete geht glaube ich, nur im Sommer). Nach endloser, erfolgloser Telefoniererei schlage ich ihm vor, nach San Roque zu fahren, sein Moped und Gepäck dort beim Auto abzustellen und ab Malaga nach Hause zu fliegen – so wird’s dann auch gemacht.
Mir ist natürlich auch mulmig, bei dem Gedanken, alleine weiterzufahren - aber ich habe emotional seit über einem Jahr so viel in diese Reise investiert. Ich konnte mir zwar denken, dass nicht alle 10, die ursprünglich mitfahren sollten, mitkommen - aber dass ich im Endeffekt dann alleine . . .
Immer mehr reift aber auch der Gedanke, diese Herausforderung anzunehmen – um herauszufinden, ob es auch positive Gesichtspunkte fürs Alleinefahren gibt, so dass man dieses Negerlein Spiel nicht mehr mitspielen muss.
Nach diesem Gespräch knalle ich erst mal ab in die Sanddünen und wühle mich dann Richtung Wasserturm Merzouga wieder heraus, wo ich SAHARA Sepp finde und mit ihm die hinteren Zwillingsreifen seines antiken Mercedes WoMos wechsele. Durch ihn lerne ich die Rallye Touareg Leute kennen, unter denen auch zwei Eefeler Jonge sind. Anschließend schlage ich den Tag tot mit Flamingos fotografieren am See in Merzouga und Wäschewaschen im "Atlas du Sable". Es ist so heiß, das meine Wäsche (alles Moppädtfahrerschwarz oder -grau) in weniger als einer Stunde trocken ist. 

So parkt man im Erg Chebbi. Als ich da so stand, hörte ich auf einmal Motorräder kommen, es waren Teilnehmer der Touareg Rallye, die dort stattfand. Einer drehte sofort ab und kam zu mir, und fragte mich auf englisch - mit starkem Eifeler Akzent - ob er mir helfen könnte. Ich sagte ihm "et öss alles joot" und versprach ihm, ihn am Abend im Rallye Camp zu besuchen. . . .

 
 
 
 
 

Merzouga

 
 
 
 
 

Das ist Volker oder "mighty" Touareg Rallye Teilnehmer aus der Eifel

 
 




4.4. Freitag, Merzouga

Beim Frühstück ist die Stimmung gedrückt, Heute fährt Siggi über Er Rachidia, Midelt, Meknes dann Autobahn, Tetouan nach Ceuta / Algeciras, San Roque zum Camping. Zum Glück streiten wir uns überhaupt nicht, und können alles in Ruhe regeln.
Wir fahren nach Rissani an die Tankstelle, trinken noch Kaffee, dann fahre ich in Richtung Alnif und die Piste nach Tinghir und kehre wieder im Hotel Kasbah ein – diesmal Einzelzimmer. . . .

Nach nochmaligem Hin- und Her wegen falscher Telefonnummer und Adresse von Abdul, Aidas Onkel, kommt der mich im Hotel La Kasbah abholen. Wir fahren zu ihm nach Hause und quasseln. Er wohnt in einer richtigen Großfamilien WG. Er ist noch dicker geworden und mit 56 zum vierten Mal Papa.
Später bringt mich ein Verwandter von Aida (auch Lehrer) zum Hotel zurück.


 5.4. Samstag, Tinghir

Ich bin um 7:00 aufgestanden, habe gepackt und getankt und finde auch direkt die richtige Straße, 500m hinter der Post, an der Apotheke links, die auf die Piste zum Tizi ´n Tazazert und weiter nach N´kob führt. Die Straße endet aber in der Neuerschließung eines Baugebietes und man muss 100m zurück, dann 2x rechts und da isse schon. Ich erkenne die Piste gar nicht mehr wieder - erst auf der Passhöhe, wo eine Österreichische 4x4 Sozia sich aufregt, als ich mit der Camera in der Hand um einen Felsen herumkomme, während sie da gerade mit ihrem Riesen-Weißen Hintern pinkelt. Ja - Marokko ist einsam - aber Ö-Frau hat es nicht für sich alleine.
Hinter dem Pass verdunkelt sich der Himmel mit Sand und die Piste fordert vollen Einsatz - hatte ich auch nicht so in Erinnerung - sind wir doch 2003 hier mit den dicken GS-sen gefahren?
In N´kob fahre ich Esel links und merke es erst in Tazzarine, wo ein Auflauf der dicken ex US Tankwagen ist, die die Teilnehmer der "Maraton du Sable" - Rallye versorgen - die mir die ganze Zeit blankgewienert eher wie ein Familien - Piknikausflug aussehend, entgegenkamen.
Zurück und dann Richtung Agdz, dafür Sandsturm von vorne und dann (hier geht es dann links) ins Oued du Draa Richtung Zagora. Nach ein paar Km am Straßenrand in einer Rechtskurve ein Schild Motos la ferche - watt immer datt sein soll - ich war kaputt und bog ab - und siehe da - ich wurde freundlich empfangen und durch einen Garten von Tamararisken und Rhododendren auf eine Terasse hoch über dem Oued du Draa geführt. Ich war so überwältigt von der schönen Aussicht, dass ich vergaß mir etwas zu bestellen. Die schöne Tochter vom Wirt brachte mich dann auf wiiiederum andere Gedanken - zu essen bekam ich dann doch, Tagine, mit wirklich Fleisch drin. In dieser Stunde legte sich auch der Wind und die Sonne kam raus. Ich beschloss noch weiterzufahren, und fand unserem Palmen - Camping von 2003 wieder. Ich wurde auch von der Familie wiedererkannt. Ich bezog die Lehmhütte und besuchte noch Bremer WoMo Fahrer - die mich wohl für verrückt hielten. Solange die Menschheit mich für verrückt hält, weiss ich, dass mit mir alles in Ordnung ist und gehe jetzt schlafen.

Tizi 'n Tazazert

 
 
 
 
 
Zwischen Tizi 'n Tazazert und N'kob

 
 
 


 

6.4. Sonntag, Zagora

Ich habe mich dann doch entschlossen (ich brauche ja keinen fragen), heute in den Lac Iriki zu fahren und zwar über die Piste in Tagounite an der Tankstelle und nicht über den MX - Zirkus M´hamid. Leider war der Abschied auf dem Camping Oued Draa etwas ernüchternd. Cheffe stand nicht auf und Frühstück war auch nicht drin, erst Motor starten förderte jemand zutage. Duschen ging auch nicht, und so fand ich Meckern bei seiner Preisvorstellung von 100 DH angebracht. Schade, 2003 waren wir so begeistert von diesem Platz.
Leider war die Luft immer noch gelb aber der Wind war schwach. Als ich dann an die Kreuzung kam, wo sich die Pisten von Tagounite und M´hamid vereinigen wurde die Piste sandiger und der Wind so stark, dass ich zeitweise den DR Motor nicht mehr hörte. Das war kein Vergnügen. Teilweise war die Sicht 50 - 100 m, zu wenig.
Ich hoffte nur, dass die Oase Oum Lallag die Möglichkeit bot, zum übernachten. Bei ca. Km 64 tauchte sie dann in den gelben Schwaden auf wie beschrieben von Erika Därr, jedoch sauber und aufgeräumt. Der Grund dafür tauchte kurze Zeit später auf. Alma, eine Schweiz/Italienerin, das fanden wir heraus, nachdem wegen mir die Kommunikation von französisch auf Englisch wechselte und sie meinte, wir könnten auch deutsch reden. Alma hatte Zeit, weil keine Touristen mehr kamen und erklärte mir das ganze Oasenprojekt, über das ich separat berichten werde. Für die Nacht kann ich ein ganzes Nomadenzelt alleine beziehen. Alles, auch die Zelte, hatte eine mm dicke Sandschicht.
Selten hat Duschen so gut getan, wie hier in dieser Umgebung. Abends legt sich der Wind und ich wagte es den Fotoapparat auszupacken. Die Quelle ist wirklich warm und voller Frösche und man glaubt es kaum - auch kleine Fische schwimmen darin.
Später am Abend ärgern sich die Nomaden über einen Schweizer, der sie vor ein paar Tagen angeheuert hatte, der behauptete, von Timbouktou bis Ouarzazate zu Fuß gewandert zu sein. Die Nomaden fühlten sich in ihrer Ehre verletzt, weil, wenn das stimmt, sehen sie wie dumme Jungs aus. Sie erklärten mir sehr einleuchtend, dass das, was der Schweizer behauptete nicht stimmen könne.
Erschöpft vom Sandsturm bezog ich mein Nomadenzelt hörte noch eine zeitlang Schakale heulen und schlief wie ein Stein.


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